FESTIVAL L*ABORE 2002

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VON FRANK HoMMEL

2. OpenAir Festival L*aboure in Hauptmannsgrün: Nur der Regen hat gefehlt

1500 Besucher erleben 16 Bands und tolles Flair

Hauptmannsgrün. Was ist das Geheimnis eines guten OpenAir Festivals? Ist es die Musik, die in geballter Ladung und ordentlich partytauglich daher kommt? Ist es ein Gefühl von Freiheit, welches die Leute befällt, wenn ihre festen vier Wände für einige Tage zugunsten primitiver Zelte verwaisen? Ein Gefühl von Abenteuer, wenn einem statt des gefliesten Badezimmers nur ein Klo mit Massenandrang oder einfach die freie Natur für gewisse Bedürfnisse bleibt?

Liegt das Geheimnis vielleicht in der besonderen Wahl des Ortes gründet: Viel Wiese, viel Wald, ein bisschen Wasser vielleicht noch, falls die Sonne scheint? (Was bei OpenAir Veranstaltungen nicht unbedingt vorkommt.) Oder kommt die legendäre Aura einfach zustande durch zuviel Alkohol und zu wenig Schlaf, was Zungen und Gemüter der Besucher löst und sie dabei übles Bassgewummer bis in den nächsten Vormittag hinein ertragen lässt?

Worauf also beruht diese ganz besondere Atmosphäre? Wahrscheinlich ist es eine gute Mischung all dieser Elemente. Es lässt sich so genau nicht sagen, eines aber, da sind sich schätzungsweise 1500 Besucher sicher: Beim 5. Festival L*aboure von Freitag bis Sonntag in Hauptmannsgrün konnte jeder den Geist, die familiäre Atmosphäre und durchaus auch die Verbundenheit verschiedener Kulturkreise spüren. Musik, Location, Leute, Stimmung, alles harmonierte das zweite Mal. Nach dem fulminanten Auftakt 2001 lag die Messlatte hoch. Doch die Organisatoren aus dem Netzschkauer Verein Børwærk wandelten schlafwandlerisch sicher auf dem schmalen Grad zwischen Lockerheit und Professionalität. Irgendwie klappte alles. Speisen und Drinks waren ebenso ausgefallen wie lecker, die Preise moderat, die Einlasser freundlich. Wer knapp bei Kasse war, der half dort ein bisschen mit aus, wo gerade Not am Mann war.
Es ging also angenehm entspannt zu ? oder“tschillig“, wie das in der Fachsprache heute so heißt. Dem entsprachen auch die Bands. Sie wollten dem festivalüblichen Hau?Drauf?und?gute?Laune Einerlei glücklicherweise nicht folgen. Die meisten von ihnen, dem Zeitgeist in positivem Sinne verbunden, verlangten nach einem Publikum, das aufmerksam zuhört, Nuancen und Details erkennt.

Auch gut: Grenzüberschreitungen zwischen elektronischer und gitarrenlastiger Musik. Scheuklappen existieren da kaum noch. Zwischendrin blieb Raum für den elektronischen Dampfhammer und die obligatorische Gitarrenbreitseite. Ein Headliner war nicht auszumachen.
„Hat Spaß gemacht. Danke, dass wir mitspielen durften“, sagten Bandmitglieder, die aus Idealismus ins Vogtland kamen und für’n Appel plus Ei mitspielten.
Ob Band, ob Helfer, ob Organisator ? jeder kommunizierte mit jedem auf der selben Ebene, so gut das bei dieser Menge Leute ging. Mit anderthalbtausend Leuten stießen die Børwærker an Kapazitätsgrenzen. „Es war okay, aber im nächsten Jahr müssen wir uns was einfallen lassen, damit nicht noch mehr Leute kommen. Vielleicht weniger Werbung“, sagte gut gelaunt Organisator Frank Leichauer aus Mylau und kaute an seiner Sonntagmorgensemmel.
Man vernahm’s und freute sich: Auf nächsten Sommer in Hauptmannsgrün.